»Allein das Nebeneinander der Werkzeuge, mit denen Kultur verschandelt wurde, von Feuer und Schwert über Sprühdose, Preßluft­hammer und Bulldozer bis zum Sturzkampfbomber, führt durch ein schwer erträgliches Wechselbad.«
Alexander Demandt
Diese Arbeit wurde mit dem »Konstanzer Designpreis 2018« ausgezeichnet.
Eine Wanderausstellung die den Besucher selbst zum Kulturvandalisten werden lässt. Meine gestalterische Arbeit ermöglicht es der breiten Öffentlichkeit dem Phänomen der Kulturvernichtung nachzuspüren. In fünf kuratierten Touren erkunden und erleben die Besucher die unterschiedlichsten Formen der Kulturzerstörung in szenografischen Settings.
Seit Tausenden von Jahren gibt es Kultur in der Menschheitsgeschichte – und genauso weit reicht die Geschichte der Zerstörung von Kulturgütern zurück. In meiner Masterarbeit an der Hochschule Konstanz habe ich mich mit Kulturvandalismus beschäftigt.
Entstanden ist das Konzept einer Wanderausstellung, das die Thematik bildgewaltig vermittelt und nicht nur historische Fakten liefert, sondern Kulturzerstörung auch re-inszeniert und damit eine informative wie emotionale  Vermittlungsbasis schafft.
Neben Porträts von Machthabern, die Kulturvandalismus angeordnet haben, werden politische, religiöse und gesellschaftliche Konflikte dargestellt, die die Zerstörung von Kultur zur Folge haben. So wird deutlich, dass die aktuellen Beispiele aus dem arabischen Raum nicht singulär zu sehen sind, sondern im Kontext einer leidvollen Historie stehen.
Meine gestalterische Arbeit ermöglicht es der breiten Öffentlichkeit dem Phänomen der Kulturvernichtung nachzuspüren. In der Wanderausstellung erkunden und erleben die Besucher die unterschiedlichsten Formen der Zerstörung in fünf kuratierten Touren. Dabei behandelt die Ausstellung in einzelnen Episodenräumen drei Kernaspekte:

1) Der physische Akt der Zerstörung als Ereignis.
2) Die Psychologie der Zerstörung.
3) Die schiere Masse der Zerstörungsakte.

Indem die Besucher einzelne Zerstörungsszenarien durchlaufen, befördert die Ausstellung einen Diskurs und nötigt dem Besucher eine emotionale als auch gedankliche Reaktion ab.
Die Visualisierung zeigt die Reinszenierung einer Steinigungsszene. Im Mittelalter wendete sich die christliche Sexualmoral gegen griechische Bildnisse welche das Körperliche als etwas »Schönes« darstellten; die Moral der Kirche sah in der Sexualität des Körperlichen ein Werkzeug des Teufels, weshalb man dazu überging die Götzen zu stürzen: man hängte sie auf Friedhöfen oder steinigte sie.
Als der römische Kaiser Nero seiner Macht enthoben wurde, zertrümmerte er aus Rache zwei seiner kostbarsten und kunstvollsten Achatgefäße, die Szenen der homerischen Epen zeigten. Nero war der Überzeugung das ein Zeitalter und eine Gesellschaft, welche einen Künstler wie ihn nicht zu schätzen wisse, auch diese Kunstwerke nicht verdient hätten.
Das Buch zur Ausstellung fasst die erschreckendsten Beispiele der Vernichtung menschlicher Kultur in einem geschlossenen Medium zusammen.
Für all diejenigen, die dem Phänomen der Kulturzerstörung weiter nachgehen wollen, gibt es das Buch zur Ausstellung. Das Buch funktioniert auf eine ähnliche Weise wie die Ausstellungsräume an sich: es bündelt eine Auswahl der eindrücklichsten und erschreckendsten Episoden des Kulturvandalismus.

Das Buch ist in drei Hauptkapitel aufgeteilt: es beginnt mit der Antike, dem darauf folgenden Mittelalter und der abschließenden Neuzeit. Zusätzlich kann es in zwei Leserichtungen erschlossen werden.

a) Einerseits als die Chronologie der Zerstörung – welche die Zerstörungsakte aufeinanderfolgend und in die jeweilige Zeit einordnend beschreibt.

b) Andererseits lässt sich das Buch ähnlich wie die Ausstellung lesen, in dem es, durch eine Indexierung am oberen Seitenrand, ermöglicht, den fünf Zerstörungsmotiven direkt nachzuspüren.
Man kann also durch das Buch von beispielsweise einer Racheepisode zur nächsten springen und sich damit auch die Chronolgie der Zerstörungsabsichten erschließen.

Beide Lesarten bringen dem Leser neue Informationen: in der a-Variante spielen eher die gesellschaftlichen Entwicklungen und Rahmenparameter eine Rolle; in der b-Variante ist ein vergleichendes Lesen möglich, das ein genaueres Betrachten etwaiger Paradigmenwechsel innerhalb eines Zerstörungsmotivs ermöglicht.
Ergänzt wird das Konzept um eine App, die es ermöglichen würde, die jeweilige Stadt auf verschwundene, zerstörte Kulturgüter abzuscannen. Mit der App könnte man sich somit direkt in der Stadt auf die Suche nach Kulturvandalisten begeben. Durch die augmentierte Anwendung der App würde die Stadt zu einem digitalen Museum werden. Die App führt den Interessierten an die ehemalige Wirkungsstätte der Kulturzerstörer.
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