»Im Zuge der Ausstellung »Rebuild Palmyra?« wurde eine mitreißende Marketingkampagne entwickelt, die potentielle Besucher auf eine eindrückliche und emotionale Weise abholt.« Simon Neßler
Palmyra. Die wohl schönste antike Stätte Syriens, wird zum traurigen Beispiel für bedrohtes Weltkulturerbe. In den letzten Jahren zerstörten die Terroristen des Daesh die ehemals prunkvollen Ruinen. Die Ausstellung »Rebuild Palmyra?« erzählte von dieser tragischen Geschichte und stellte unter anderem die Frage, wie wir mit der Zerstörung des kulturellen Welterbes umgehen sollen? Eine Plakatserie sollte die Ausstellung ankündigen und dabei dem heiklen Thema gerecht werden.

Durch die Übersättigung des öffentlichen Raums mit Werbemotiven und -sprüchen wird es immer anspruchsvoller, Kommunikationsanliegen zielgerichtet wirken zu lassen. Um die Dringlichkeit zu unterstützen, die das Zerstören von Kulturgütern mit sich bringt, fiel die Entscheidung auf einen sarkastischen und provozierenden Grundtenor auf den Ausstellungsplakaten. Die Sprache wie auch die Bildauswahl sollten eine unmittelbare emotionale Reaktion hervorrufen – ein angehängtes Expertenzitat kontextualisierte den provokanten Ausruf auf einer seriösen Ebene.

Es gab zwei Kategorien von Plakaten. Die Plakate erster Ordnung lancierten die aufrüttelnden Grundmotive des Ausstellungsmarketings: einerseits die Provokation des zynischen Satzes »Endlich passiert mal wieder was im Nahen Osten!«, der die Zerstörung als Unterhaltung proklamiert; andererseits eine Frage mit direktem Bezug zur eigenen Lebenswelt »Was, wenn es das Konstanzer Münster wäre?«.
Die Plakate zweiter Ordnung lassen von dem Konflikt direkt betroffene Personen zu Wort kommen, in dem sie in einer typografischen Geste zitiert wurden.
Für den Konstanzer Innenstadtbereich wurden zwei Meter hohe Holzkuben entwickelt, welche großflächig bedruckt wurden und an insgesamt drei Stellen in der Stadt aufgestellt wurden. Die Außenhülle der Kuben zeigten Fotoaufnahmen des Grabturmes von »Elahbel«, welcher einst in Palmyra stand und 2015 vom sogenannten Islamischen Staat zerstört wurde.

Die Kuben machten diese Zerstörung auf abstrakte Weise sichtbar, in dem sie in einer mehrwöchigen achtphasigen Choreographie zerbrachen. Jedes Bruchstück das aus den Kuben brach, gab neue Flächen frei, die die Geschichte Palmyras zusammenfassten.

So funktionieren die Kuben einerseits als große Werbeflächen für die Ausstellung und stellen gleichzeitig den inhaltlichen Prolog zur Ausstellung her; somit konnte gewährleistet werden, dass die Besucher die Ausstellung nicht gänzlich unwissend betraten.
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